Kirche zu Hause

Gedanken zum Wochenpsalm 10. SONNTAG nach TRINITATIS

Kirche zu HauseFr, 14.08.2020

Ein Friedensgebet für Jerusalem – so könnte die Überschrift über Psalm 122 heißen. Es ist der Psalm für den in der evangelischen Kirche als Israelsonntag bezeichneten 10. Sonntag nach Trinitatis. Er soll uns veranlassen, über unser Verhältnis als Christen zu Menschen jüdischen Glaubens nachzudenken.

 

1 Ich freute mich über die, die mir sagten:

Lasset uns ziehen zum Hause des HERRN!

2 Nun stehen unsere Füße in deinen Toren, Jerusalem.

3 Jerusalem ist gebaut als eine Stadt, in der man zusammenkommen soll,

4 wohin die Stämme hinaufziehen, die Stämme des HERRN,

wie es geboten ist dem Volke Israel, zu preisen den Namen des HERRN.

5 Denn dort stehen Throne zum Gericht, die Throne des Hauses David.

6 Wünschet Jerusalem Frieden! Es möge wohlgehen denen, die dich lieben!

7 Es möge Friede sein in deinen Mauern und Glück in deinen Palästen!

8 Um meiner Brüder und Freunde willen will ich dir Frieden wünschen.

9 Um des Hauses des HERRN willen, unseres Gottes,

will ich dein Bestes suchen.

 

Wünschet Jerusalem Frieden!  – welch schöner Wunsch für eine der meistumkämpften Städte der Welt. Jerusalem ist Zankapfel zwischen israelischer und palästinensischer Regierung. Und Regierungschefs mächtiger Staaten wie Russland und USA nutzen den Konflikt zum großen Auftritt auf der politischen Bühne.

Jerusalem – Heilige Stadt des EINEN Gottes – ist von religiöser Bedeutung für Juden, Christen und Muslime, also für alle drei monotheistischen Weltreligionen. Und genau darum würde sich die Stadt als Symbol friedlichen Zusammenlebens in Verschiedenheit wie kein anderer Ort eignen.

In Verlauf unserer christlichen Geschichte ist es uns nach Jahrhunderten theologischer Verwerfungen gelungen, die jüdische Religion zu respektieren. Der Apostel und erste große Theologe Paulus hat dazu in seinem Brief an die christliche Gemeinde in Rom den Grund gelegt. Er stellt fest: „Gott hat sein Volk nicht verstoßen, das er zuvor erwählt hat.“ (Röm 11,2). Paulus beansprucht nicht Gottes Wege und Willen bis ins Letzte ergründen zu können, sondern spricht von einem Mysterium. Ein Mysterium, das ist etwas, das sich nicht allein durch den Verstand begreifen lässt. Ein Mysterium entzieht sich dem, was bewiesen werden oder wissenschaftlich erklärt werden kann. Es hat immer etwas an sich, das im Verborgenen bleibt.

Und so, sagt Paulus, ist es mit Gottes Vorhersehungen: Sie sind uns Menschen ein Mysterium, ein Geheimnis. Und bei allen theologischen Überlegungen und Untersuchungen, bei allem Glauben, bei aller Gewissheit: Gottes Pläne bleiben immer auch ein Geheimnis.

Und so bleibt die Hoffnung, dass eines Tages Jerusalem zu einem Ort des Friedens für die Völker und Religionen wird, weil es der Vorhersehung Gottes entspricht.

 

Christiane Geerken-Thomas, Kreispfarrerin


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Foto: unsplash/Aaron Burden/Kari Shea
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