Kirche zu Hause

Gedanken zum Wochenpsalm 4. SONNTAG nach TRINITATIS

Kirche zu HauseSa, 04.07.2020

Zerrissen ist der Mensch, der die Worte des 42. Psalms einst gebetet hat. Einerseits schreit er flehend um Gottes Hilfe. Andererseits ermahnt er sich selbst zu geduldiger Hoffnung. 

 

2 Wie der Hirsch schreit nach frischem Wasser,

so schreit meine Seele, Gott, zu dir.

3 Meine Seele dürstet nach Gott, nach dem lebendigen Gott.

Wann werde ich dahin kommen, dass ich Gottes Angesicht schaue?

4 Meine Tränen sind meine Speise Tag und Nacht,

weil man täglich zu mir sagt: Wo ist nun dein Gott?

5 Daran will ich denken und ausschütten mein Herz bei mir selbst:

wie ich einherzog in großer Schar,

mit ihnen zu wallen zum Hause Gottes

mit Frohlocken und Danken in der Schar derer, die da feiern.

6 Was betrübst du dich, meine Seele, und bist so unruhig in mir?

Harre auf Gott; denn ich werde ihm noch danken,

dass er mir hilft mit seinem Angesicht.

 

Wann endlich können wir wieder wie gewohnt Gottesdienst feiern? Wie gewohnt, das heißt ohne Mund- und Nasenschutz, ohne Sicherheitsabstand, ohne Anwesenheitslisten und mit Gesang. Die Sehnsucht ist groß, und so mancher wird ungeduldig. Seit acht Wochen dürfen wir nun wieder Gottesdienste in unseren Kirchen feiern, aber eben nach festgelegten Regeln. Viele empfinden sie als so einschränkend, dass sie lieber Zuhause bleiben. Andere verzichten jedoch aus Sorge vor einer möglichen Ansteckung.

Auch dem Betenden des Wochenpsalms ist es verwehrt, wie gewohnt Gottesdienst zu feiern. In der Not seines Exils erinnert er sich an Gottesdienste früherer Zeiten, an die Schar derer, die fröhlich und dankbar miteinander feierten. Diese Erinnerung hilft ihm aus seiner Klage heraus: Was betrübst du dich, meine Seele? – als gäbe es Gott nicht! Was bist du so unruhig? – als wäre Gott fern. So ermutigt er sich selbst. Seine Seele wird ruhiger. Beschrieben wird das mit dem Verb harren, ein Wort, das in unserer Alltagssprache kaum gebraucht wird. Harren steht für sehnsüchtiges, geduldiges und vertrauensvolles Warten.

Aber nur Warten oder Abwarten bis alles wie früher ist, das würde unserem Bedürfnis sich als Gemeinde vor Gott zu versammeln wohl auch nicht gerecht werden. Denn es ist ja nicht unmöglich gemeinsam zu beten und Gottes Wort zu hören. Es ist nur ganz anders. Und so empfehle ich, es auszuprobieren und bereit zu sein, für neue Entdeckungen bei der Art und Weise wie derzeit Gottesdienste gefeiert werden: mal draußen in Grünen vom Gesang der Vögel begleitet, mal in einer Kirche, in der die Stille oder das Orgelspiel ganz neue Wertschätzung erfahren. Und ich wünsche die Erfahrung, dass die Seele wieder zur Ruhe kommt.

 

Christiane Geerken-Thomas, Kreispfarrerin


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Foto: unsplash/Aaron Burden/Kari Shea
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Do, 1. Okt. 2020
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