Psalm 31 - Eine Schatzsuche

In diesen Tagen sind wir eher geneigt zu rufen, zu schreien: „Neige deine Ohren zu mir, hilf mir eilends.“  (Vers 3)

 

Wir erleben ein plötzliches Abgeschnittensein. Das, was uns ausmacht, in welchen Rollen wir uns auch tagsüber befinden: Immer befinden wir uns in sozialen Kontakten. Unsere Freiheit ist anscheinend dahin. 

„Sei mir ein starker Fels und eine Burg, dass du mir helfest!“ (Vers 3) Es ist die Situation der Bodenlosigkeit. Und gleichzeitig ist es die Bitte aus größter Bodenhaftung. Die Erinnerung setzt zu den Bitten die Gewissheit in Vers 4: „Denn du bist mein Fels und meine Burg…“

 

In der verordneten Einschränkung dieser Tage merken wir, wie ungewohnt es ist, mit uns allein zu sein. Auf einmal werden Telefonate richtig wertvoll. Wir haben Zeit zur Besinnung auf die Werte unseres Lebens. Was vor Wochen noch immer mal theoretisch diskutiert wurde, unsere Demokratie mehr zu achten, jetzt erleben wir hautnah ihre Früchte und den eigentlichen Wert vieler Selbstverständlichkeiten des Alltags. Uneingeschränkte Bewegungsfreiheit, grenzenloses Unterwegssein, uneingeschränkte Kontakte, Wahl meiner Gruppen und Aktivitäten in Arbeit und Freizeit, unsere tragende Infrastruktur. Letztere ist in der Regel so selbstverständlich, dass wir kaum noch staunen.

 

Wie der Beter in Vers 4 sich grundlegende Bodenhaftung holt durch Erinnerung, können wir auch unsere Aufmerksamkeit darauf lenken, was in unserem Leben an Werten da ist. Was hat uns getragen, was trägt uns in entscheidenden Momenten?

 

Der Psalm 31 insgesamt ist eine Einladung, es dem Beter gleich zu tun: In schweren und in guten Tagen dürfen wir uns auch an Gott wenden. Erlösung können wir uns nicht selbst zusagen. Ebenso empfangen wir die Taufe und werden so aufgenommen in das Volk Gottes. In Vers 16 heißt es: „Meine Zeit steht in deinen Händen.“ Es ist auch ein Anstoß für uns, unseren Blick über unser Leben hinaus auf Gott zu richten. Wir haben in aller Beschränkung allen Raum, die Zeit neu zu strukturieren. Wir können Dinge tun, die schon lange liegen geblieben sind. Spiele, Malen und Schreiben, Hilfe für andere in womöglich ungewohnter Form, was auch immer, alles kann auch in die gefühlten Erschwernisse helle bunte Farbpunkte setzen. 

 

Ich habe eben von den Fahrradtouren durch unsere Stadt den Eindruck, wir freuen uns noch mehr als vorher, uns zu sehen, uns zu sprechen. Auch der gebotene Abstand macht das möglich.

Vieles von dem, was wir erleben, wird später wieder in Vergessenheit geraten.

Jetzt ist der Raum da, einen neuen Fahrplan für unser Leben zu gestalten. Da könnte drinstehen, was uns besonders wichtig geworden ist. Da könnte drinstehen, wo wir helfen konnten. Da könnte drinstehen, was wir unbedingt tun wollen und müssen, um unser Zusammenleben zu stärken und freundlicher zu gestalten.

 

„In deine Hände befehle ich meinen Geist; du hast mich erlöst, Herr, du treuer Gott.“ (Vers 6)

Es ist eines der Worte Jesu am Kreuz. Er hat auch diesen Psalm gut gekannt.  Wie Jesus durch das Kreuz hindurch zur Auferstehung geführt wurde, so steht auch uns der Weg zu Gott jederzeit offen. Aufrecht und erlöst können wir auch durch diese schwere Zeit gehen. Denn „Ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.“ Das ist die Zusage des Auferstanden. Sie gilt auch uns. Vielleicht bekommen Sie Lust darauf, Ihre guten Erfahrungen aus dieser schweren Zeit und tragende Bibelworte in einer selbstgebastelten Schatztruhe zu sammeln als Wegzehrung und Lebenssamen.

Amen

 

Pfarrer Rösner 

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Di, 26. Mai. 2020
Der HERR schaut vom Himmel auf die Menschenkinder, dass er sehe, ob jemand klug sei und nach Gott frage.
Psalm 14,2
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