17.05.2020 Rogate

„Unser Vater im Himmel!“ (Matthäus Kapitel 6, Vers 9)

 

In der Mitte der Bergpredigt finden wir das Vaterunser – Gebet.

 

Die Freunde fragen Jesus, wie sie beten sollen. Ein Gespräch mit Gott, konzentriert, ohne Ausschweife, ohne Pathos und Schnörkel überliefert Jesus mit dem Vaterunser.                                                                                 

Er ist der Erste, der Gott als Vater bezeichnet. Es ist im Aramäischen eine Form, die unserem deutschen Wort „Papa“ nahekommt. Die Bibel gibt freilich beredtes Zeugnis, dass Gott sowohl mütterlich als auch väterlich ist. Wir haben es immer mit Bildbeschreibungen zu tun. So fühlt sich Jesus mit uns verbunden. Diese Verbundenheit teilt er mit uns. Auch wir können in dieses intensive Gebet – und Glaubensgemeinschaft einsteigen.               

 

Mit unseren Konfirmandinnen und Konfirmanden erörtern wir die Problematik der Übersetzungen, die die biblischen Texte vom Hebräisch – Aramäischen über das Griechische und Lateinische ins Deutsche durchlaufen haben. Dazu kommt, daß wir im Deutschen nur ein Wort „Himmel“ haben. Sofort assoziieren wir den astronomischen Himmel. In der englischen Sprache gibt es neben dem Wort „sky“ noch das Wort „heaven“. Beide bedeuten Himmel, aber „heaven“ meint speziell den Bereich Gottes. Damit ist das Mißverständnis ausgeschlossen, daß Gott fernab über den Wolken sitzt. Auch dieses Gottesbild vom despotisch oben im Himmel thronenden strafenden Gott hat Jesus zurechtgerückt. 

 

Der bei Jesus bezeichnete Himmel ermöglicht, mir meine Verbundenheit mit Erde und Himmel bewußt zu machen als Riesengeschenk. Das Gespräch setzt Nähe voraus und schafft sie auch. In diese Nähe eintauchen können wir jeder Zeit.

 

 Manchmal fehlen uns die Worte, gerade in schweren Tagen und Stunden. Dann ist mir die Sammlung der Psalmen eine große Hilfe. Die Beter loben Gott und klagen ihr Leid. 

 

Sie finden eine Sprache, die alle Lebensumstände umfaßt und machen Mut, auch so zu beten wie uns der Schnabel gewachsen ist.

 

Gott ist freilich kein Automat, in dem ich oben mein Gebet hineinwerfe und unten die Erfüllung empfange. Kurz nach dem Vaterunser ermuntert Jesus dazu, Gott unser Leben anzuvertrauen, aus dem Kreislauf der Sorgen auszusteigen.   

                                                                           

„Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, dann wird euch solches alles zufallen.“ (Matthäus Kapitel 6, Vers 33)  

                       

Damit ist alles gemeint, was wir zum Leben brauchen.

Wagen Sie an diesem Sonntag auch den Blick auf ihr ganzes Leben und Sie werden merken, wie oft ein Gebet geholfen hat.

 

Und: Jeder Moment kann ein neuer Gesprächsanfang mit Gott sein.

 

Ihnen eine gesegnete Woche! Ihr Pfarrer Hans-Christof Rösner

 

 

 

03.05.2020 Jubilate

„Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; Das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden.“

(2.Brief des Paulus an die Gemeinde in Korinth, Kapitel 5, Vers 17)

 

Seien Sie herzlich gegrüßt mit dem Wochenspruch. Der dritte Sonntag nach Ostern hat seinen Namen vom 66.Psalm, der mit einem Aufruf zur Freude beginnt.                                                        

 

„Jauchzet Gott, alle Lande! Lobsinget zur Ehre seines Namens; rühmt ihn herrlich!“ (Vers 1)

 

In diesen Tagen und Wochen ist uns manchmal sehr schwer ums Herz. Von einem Tag zum anderen hat sich unser Alltag radikal verändert. Anstelle direkter Treffen müssen wir telefonieren, skypen oder mit Abstand winken. Die schrittweise Öffnung geht uns zu langsam. 

 

Paulus hat in der Gemeinde in Korinth viele Konflikte zu bewältigen. Die einen halten die anderen für weniger fromm. Die Reicheren grenzen sich von den Ärmeren ab.                                                                                                                               Das Geschehen von Ostern, die gute Nachricht des Evangeliumsdroht im Streit zu ersticken.

 

Dennoch bleibt Paulus fest an der Osterbotschaft:Neues ist geworden, wenn ich mich in den Raum Jesu begebe. Die Schwere unseres Herzens bekommt dann einen zusätzlichen Träger. Unsere Augen werden gehoben von der Enge in die Weite der Güte Gottes.

 

Aktionen wie „Geburtstagsgrüße für Kinder in Krisenzeiten“ machen Mut. Da bekommen Kinder von völlig fremden Menschen Glückwünsche und kleine Geschenke, ein Trost für die ausgefallene Feier. Da entstehen trotz Ferne nahe neue Kontakte. Vieles ist in Gang gekommen, was uns sicher vorher kaum eingefallen wäre.

 

Ich freue mich, dass wir in diesem demokratischen Land leben, dass es am Horizont Zeichen der Hoffnung gibt, auch gerade durch das gute Management der letzten Wochen.

 

Freude gilt zuerst Gott und Dankbarkeit. Dann können wir das Schwere leichter tragen. Der Sonntag Jubilate lädt uns in besonderer Weise ein, unsere Lebensfreude von Gott her zu finden.

 

Ihnen eine gesegnete Woche!

Ihr Pfarrer Hans-Christof Rösner

 

 

 

26.04.2020 Miserikordias Domini

Jesus Christus spricht: „Ich bin der gute Hirte. Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie, und sie folgen mir; und ich gebe ihnen das ewige Leben.“ (Johannesevangelium Kapitel 10, Verse 11.27 – 28)

 

Der Sonntag des guten Hirten gibt uns eine Fülle von Mutmach -  Texten an die Hand. Sie alle erzählen von der Fürsorge Gottes. Das Hirtenbild zieht sich durch das Alte und Neue Testament. Psalm 23 beschreibt die Hoffnung und Lebensstationen, die der Beter mit Gott erlebt.                                                                                                         

 

Bei allem bleibt: „Der Herr ist mein Hirte.“

 

Im 34. Kapitel des Prophetenbuches Hesekiel lesen wir von der Zusage Gottes, selbst wie ein guter Hirte sein Volk zu führen. Hier finden wir auch eine harte Kritik an den falschen Hirten. Der König David ist zunächst Hirtenjunge, bevor er zum König gesalbt wird. Erst die Hirtenmalerei des 19.Jahrhunderts hat das schwere Leben der Hirten verklärt. In der Umwelt Jesu war das Hirtenleben gefährlich und rau. Sie mußten ihr Leben einsetzen.

 

Gerade sie erfahren in der Heiligen Nacht die Botschaft der Geburt Jesu. „Fürchtet euch nicht! Denn euch ist heute der Heiland geboren!“ (Lukasevangelium Kapitel 2 in der Weihnachtsgeschichte)

 

Das Bild vom Hirten und Schaf meint also bei Jesus nicht: Hier ist ein Hirte und da eine willenlose Herde. Vielmehr: So wie ein guter Hirte sein Leben einsetzt, so will ich euch behüten. Zwischen grüner Aue und der Wanderung im finsteren Tal, Bilder aus dem Psalm 23, erfährt der Beter Gottes Führung. Nun mit dem Ostergeschehen dürfen wir wahrnehmen:     

 

Jesus selbst ist uns an die Seite gestellt. In welchen Zeiten unseres Lebens auch immer: Wir gehören zu seinem Volk und bleiben es.      

                                   

Das wiegt besonders in Zeiten wie diesen! Das will uns Kompass sein zwischen den vielen Stimmen und Meinungen dieser Tage! 

 

Ihnen einen gesegneten Sonntag!                                                                                                

Ihr Pfarrer Hans-Christof Rösner

 

 

19.04.2020 Quasimodogeniti

In der Lesung aus dem Alten Testament im Prophetenbuch Jesajas finden wir folgende Zusage im 40.Kapitel, Vers 31:

 

„aber die auf den Herrn harren, kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler…“

 

Die mittelhochdeutsche Wurzel von Harren meint so etwas, wie „seine Hoffnung auf etwas setzen“.

In diesen ungewöhnlichen Tagen haben wir oft mehr Zeit als sonst. Wir zu Hause haben sie auch dazu genutzt, um Alben anzusehen. Bilder von der Familie in glücklicheren Ostertagen, längst Vergessenes, tauchen auf.          

 

Jahrzehnte farbiger Wunder lassen die Dankbarkeit wachsen: Das hat Gott uns alles geschenkt. Die Geschichte mit Gott gibt Kraft. Es lohnt sich, weiter zu hoffen, zu harren, auszuharren.

Worte wie die des Jesaja locken uns.

 

Als Kinder haben wir unbefangen unsere Arme ausgebreitet und den Erwachsenen zugerufen, dass wir fliegen können. Oder: Wir haben uns von den Armen der Erwachsenen schwingen lassen. Wir erlebten große Freude. Das hat uns gestärkt im Vertrauen.

 

Bei uns fliegen eher Möwen zwischen Hunte und Weser. Schauen wir ihnen zu, gewinnen wir eine Ahnung, wie schön das Fliegen, besonders über dem Wasser, ist. Dazu kommt die Weite des Himmels.

Mit unserer Fantasie fliegen wir mit. Wir schwingen uns ein in das Bildwort des Jesaja.

 

Wir spüren den Schwung unserer Flügel. So bekommen wir im Schwingen zwischen Himmel und Erde schon die erste Portion Kraft, die Lust auf mehr Hoffnung macht.

 

Gott schenke uns immer wieder solche Flugversuche.

Amen

     

 

05.04.2020 - Palmarum

„Fürchte dich nicht, du Tochter Zion! Siehe, dein König kommt und reitet auf einem Eselsfüllen.“ (Zitat aus Sacharja 9, Vers 9)

 

Der Evangelist Johannes berichtet seine Version des Einzuges in Jerusalem im 12. Kapitel. Jesus ist angekommen im Zentrum der geistlichen Macht. Die Volksmenge hatte auf dem Passahfest gehört: „Jesus kommt.“ Wie ein Lauffeuer mag sich diese Kunde ausgebreitet haben. Die Besonderheit bei Johannes: Die Volksmenge kommt, weil Jesus Lazarus wieder zum Leben gebracht hat. Die Sensation eines Wunders treibt die Menschen auf die Straßen, an die Stadtmauer und das eine Stadttor. Aber sie werden enttäuscht: Auf alle Rufe, die ihm als vermeintlichen König entgegenschallen, reagiert Jesus nicht.

 

Er nimmt vielmehr einen Esel und identifiziert sich damit mit dem König, den der Prophet Sacharja vorausgesagt hatte. Ein König in Schlichtheit, einer der aber die Verbindung zwischen Volk und Gott wieder neu herstellen wird. Die Freunde Jesu verstehen wie oft nicht. Erst mit den Osterereignissen fangen sie an, zu begreifen.                                                                                                                       Jesus geht seinen letzten Weg vor der Kreuzigung. Er verzichtet auf einen Volksaufstand. Er verzichtet auf die Wahl zum König. Kurze Zeit nach dem Empfang erschallt das „Kreuzige“. Das Volk entscheidet sich zur Freigabe für den Verbrecher Barabas. 

 

Die Ereignisse überschlagen sich. Passahmahl mit den Freunden, Verrat des Judas Ischarioth, Gefangennahme, Folter. Alle Jünger fliehen. Petrus verleugnet Jesus. Aus diesem Anlass tragen die meisten unserer Kirchtürme einen Hahn auf ihrer Spitze, um an diese menschliche Möglichkeit zu erinnern, unsere besten Freundinnen und Freunde verraten zu können. Doch zuvor berichtet im gleichen Kapitel Johannes auch von dem harten Ringen Jesu mit sich, mit den Menschen um sich. Sie glauben ihm nicht. „Wer ist dieser Menschensohn?“ fragen sie. Jesus hält ihnen das Bildwort vom Weizenkorn entgegen. Das Weizenkorn müsse ersterben in der Erde, damit es viel Frucht bringt. Stirbt es nicht, bleibt es allein. 

 

Dem Gang Jesu verdanken wir unsere Gemeinschaft mit Gott. Aus seinem Tiefgang erwächst auch uns Gott sei Dank vielfältig die Frucht des Glaubens. Lasst uns aus dieser Passionszeit mit der Schwere der Corona Pandemie miteinander den Samen des Glaubens weiter streuen. Gott wird auch uns beim Wachsen und Teilen aller Früchte begleiten.

 

Amen

helfen schenken teilen tauschen

Foto: Adobe.com/[People Hands Holding Colorful German Word Helfen]
Kirche Oldenburg hilft: helfen schenken teilen tauschen

Kalenderblatt

Fr, 29. Mai. 2020
Meine Zunge soll reden von deiner Gerechtigkeit und dich täglich preisen.
Psalm 35,28
http://www.kirche-oldenburg.de

Service

  • Startseite
  • RSS
  • Zum Seitenanfang
  • Seite drucken

© 2020 Ev.-luth. Kirchenkreis Wesermarsch | Eselstraße 6 | 26939 Ovelgönne| Telefon 04483-9305254 | E-Mail Kirchenkreis.WM@No Spamkirche-oldenburg.de