Abendmahlsgerät

Kelch von 1688
Kelch von 1688

 

Elsfleth besitzt schön gearbeitetes Abendmahlsgerät. Besonders interessant liest sich die Inschrift eines Kelches: HAURIAT HINC POPULUS VITAM DE SANGUINE JESU. IN USUM ECCLESIAE EVANGELICO-CATHOLICAE ELSFLETHIENSIS HOC. S. VAS SUMTIBUS PUBLICIS PECARIIS REPARARI ET F.F. 1688 M.B.C. PASTOR. Auf deutsch: "Hieraus trinke das Volk Leben vom Blut Jesu. Pastor M(Martin) B(Bernhard) C(Corbach) veranlasste, dass zum Gebrauch der auf evangelische (Weise) katholischen Elsflether Kirche dieses heilige Gefäß 1688 auf Kosten einer öffentlichen Sammlung wieder angeschafft und gefertigt wurde."

Oblatenteller
Oblatenteller


Ähnlich lautet die Inschrift unter dem Oblatenteller: IN USUM ECCLESIAE EVANGELICO-(ergänze "modo")-CATHOLICAE ELSFLETHIENSIS SUMT. PUBL. F.F.B.C.P.T. (sumtibus publicis fieri fecit Bernhard Corbach, Pastor temporalis).

Kelch von 1645
Kelch von 1645


Wie kommt der Lutheraner Corbach dazu, Kelch und Oblatenteller der "katholischen" Kirche zu widmen? In der ursprünglich lateinischen Formulierung des Nizänischen Glaubensbekenntnisses, das ordnungsgemäß auch heute noch zum Abenmahlsgottesdienst gehört, steht "ecclesia catholica", das mit "allgemeine Kirche" richtig - wenn auch farblos - übersetzt wird. Pastor Corbach wusste sich und seine Gemeinde als Glied der einen heiligen Kirche, deren Auftrag es ist, die frohe Botschaft von Christus der gesamten Menschheit zu verkündigen. Das sollte auf die dem Evangelium gemäße Weise, wie sie die Reformatoren erneut zugänglich gemacht hatten, geschehen.

Kelch von


Übrigens erlebt der Pastor Corbach beim Beschaffen des Abendmahlskelches seine liebe Not. Außer dem 1647 von einem Liboris von Aschwede gestifteten Krankenkelch besaß die Kirche noch einen aus voreformatorischer Zeit stammenden Kelch. Doch dieser, schrieb Corbach, "war sehr gebrechlich und klein, war schon von mir etlichemal in der Mitte, woselbst er wackelte und scheef war, zu verbessern und anzulöten an die Goldschmiede gesandt, blieb aber, wie er war. Weil nun stetshin in timore et tremore (Furcht und Zittern) halten mußte, resolvirte ich mich im Namen Gottes, so viel zusammen zu colligiren, als die Reparation desselben machen könnte, offenbarte solch mein Vornehmen am ersten dem Herrn Zollverwalter Hans Steffen, der druff sich vernehmen ließ, er könnte allein wohl so viel tun ... ich möchte nur nach Bremen ziehen und ihn machen lassen nach meinem Gutdünken, er wolle es bezahlen.

Weinkanne
Weinkanne


Dictum non factum (Gesagt, nicht getan)." Als der Kelch fertig war, wollte der Zollverwalter sein Versprechen nicht wahr haben. Er zweifelte tiefsinnig, "was ein neuer Kelch in einer alten Kirche nütze". Im übrigen "wenn er entzwey ist, moet hem de Pastoor in beide Hände faten und desto duner (näher) holen". 

Oblatendose
Oblatendose


Seufzend fügte der Pastor hinzu: "Consideres hoc lector quisisquis es! (Das stell dir mal vor, Leser, wer du auch bist.)

So beschaffte Corbach die nötigen Taler durch eine Sammlung. Unter anderen spendete der Zollruderer Christoph Lahusen, von dem es an anderer Stelle heißt: "Hat nichts als viele Kinder." Der Pastor schloss seinen Bericht: "Ist also ohne des naseweisen Spötters Gelde dieses heilige Werk noch vollzogen." Der neue Kelch, in den der alte mit 32 Lot eingeschmolzen wurde, wiegt 50 und ½ Lot.

(zitiert aus: W. Runge: Die St.-Nikolai-Kirche in Elsfleth)

Kalenderblatt

Di, 12. Nov. 2019
Siehe, ich will mich meiner Herde selbst annehmen und sie suchen.
Hesekiel 34,11
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