Antependien

(Antependium = Altarverkleidung, ursprünglich aus Metallteilen oder bemaltem Holz)

Die geistliche Textilkunst weist eine lange Tradition auf. Erste Zeugnisse stammen aus dem vierten Jahrhundert nach Christus. In der evangelischen Kirche hat die Paramentik erst ab 1850 eine Renaissance erfahren.

"Den Tisch Gottes bereiten" so beschreibt das lateinische Wort "Parament" die Aufgabe der textilen Kunstwerke.

Ein Glücksfall, dass wir vor Jahren aufmerksam wurden auf die Paramenten-Werkstatt in dem kleinen Haus auf dem Gelände der "Pfeifferschen Stiftungen" in Magdeburg. Dort in der ,,Evangelisch-Lutherischen Diakonissenanstalt Bethanien" entstehen in klassischer Handarbeit kostbare Gobelins, Behänge und Tücher für Altäre und Kanzeln in Kirchen.

Mittlerweile ist diese Werkstatt in erfahrene private Hände übergeben worden.

Die Entwürfe, die Verena Kups-Lange für unsere Nicolai-Kirche gemacht hat, sprechen eine reiche Formensprache und werden so ihrer Aufgabe gerecht: ,,Die Paramente sollen zur Stille, zur Sammlung und Meditation anregen". 

300 Stunden und mehr sitzen die Frauen am hölzernen Hochwebstuhl. (Im Bild die Künstlerin Verena Kups-Lange)

Zu den Vorarbeiten gehörte der Besuch unserer Kirche, ein kleines Modell unseres Altars und eine maßstabgetreue Skizze, nach der am Webstuhl gearbeitet wird.

Als erste Arbeit wurde für uns die Farbe "Grün" ausgeführt, die die längste Zeit des Jahres auf dem Altar zu sehen ist.

Unsere kreuzförmig über den runden Altar gelegten Paramente erlauben es, die Ansicht immer wieder zu wechseln und so eine neue  Anregung zur Besinnung zu bieten.

 

 

 

 

 

 

 


 

Die liturgiscche Farbe ROT

Rot ist die Farbe des Heiligen Geistes und der Liebe, des Feuers und der durch das Blut der Märtyrer ausgebreiteten Kirche.

Pfingsten, Reformationstag, Apostel-, Märtyrer und Evangelistentage, Konfirmation, Ordination, Amtseinführungen usw., auch bei Trauungen sowie bei der Kirchweihe, bei Bittgottesdiensten um die Einheit der Kirche, um die Ausbreitung des Evangeliums, um den Frieden - all dies sind Gelegenheiten, die Farbe ROT in der Kirche zu betrachten und sich anregen zu lassen zur Besinnung.
Die künstlerischen Entwürfe der Farbe Rot haben in den verschiedenen Kreisen der Kirchengemeinde überzeugt. Es überrascht uns allerdings, dass die modernen und ausdrucksstarken Entwürfe sehr eindeutig aus verschiedenen Möglichkeiten gewählt wurden.

Im Oktober 2001 konnten die fertigen Paramente entgegengenommen werden.

 

 

 


 

Die liturgische Farbe VIOLETT

Violett als Farbe der Buße, Umkehr, Reue sowie der Vorbereitung und Erwartung prägt die Adventszeit, die Fastenzeit von Aschermittwoch an bis einschließlich Palmsonntag, den Buß- und Bettag (Donnerstag vor dem Ewigkeitssonntag). Es findet Verwendung auch für andere Buß- und Bittgottesdienste und bei Begräbnis- und Trauergottesdiensten und an Trauertage sowie für spezielle Beichtgottesdienste.

(links die Adventsansicht)

 

 

 

 

 

 

Traditionelle Violetttöne, Farben der Passion und der Buß- und Fastenzeit, Erdfarben und Olivtöne, die an militärische Uniformen und Tarnanzüge erinnern, konkurrieren mit dem sich bahnbrechenden Gold.

Querstehende Elemente, Barrikaden, Mauern, Balken, Zeichen der Not und des Leids und Zeichen der Schuld, die uns Wege und Zukunft verbaut; all dies kann doch nicht endgültig Gottes Kommen widerstehen.

Wie ein heller Stern erleuchtet sein Licht das finstere Tal (Advent) und wie ein Blitz von einem Ende der Welt bis zum anderen leuchtet sein Reich auf und durchbricht die Widerstände der alten Welt (Mt 24,27).

(aus einer Meditation Pastor Giesers)

 

 


 

Die Liturgische Farbe GRÜN

Grün ist die Farbe des Lebens und der ganzen Schöpfung. Sie liegt bei allen Festen und Zeiten des Kirchenjahres aus, die keine besondere Prägung haben (die Sonntage nach Epiphanias außer dem letzten, die Sonntage vor der Passionszeit, die Sonntage nach Trinitatis mit dem Ewigkeitssonntag [der als Gedenktag der Entschlafenen auch weiß haben kann]) und besonders beim Erntedankfest. Kleine Kirchen oder Kapellen, die nur ein Parament haben, haben meistens ein grünes Parament.

Unsere grünen Paramente sind so gestaltet, dass sie auch für die liturgischen Farben insgesamt stehen könnten. Sie umfassen die ganze Vielfalt der Schöpfung wie Gott sie geschaffen hat.

 

 


 

Die Schöpfung
Versuchtes Leben 
Gelungenes Leben
Leben selbst
Leben durch
Leben in A und O
Kreuzende Lebensströme

Der Schöpfer
Geschöpfe geschaffen

Die Geschöpfe
Geschaffenes preisen
Schafft jeden Tag neu
Schaffe Du
Schaffen, Erhalten, Bewahren

Bewahre die Schöpfung

Verena Kups-Lange, Gedanken zum zweiteiligen Gobelin der Farbe Grün

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


 

Die liturgische Farbe WEISS

Weiß ist die Christusfarbe des Lichtes und der Auferstehung (als Summe aller Farben des Spektrums und sie ist  auch Symbol für die Klarheit, die Reinheit, die Unschuld, die Freude und die Festlichkeit). Weiß ist allen Christusfesten zugeordnet: Weihnachten bis Epiphanias (6. Januar) (mit dem Tag der Unschuldigen Kinder am 28. Dezember) und am letzten Sonntag nach Epiphanias, Gründonnerstag, Ostern bis Exaudi (mit Christi Himmelfahrt am Donnerstag vor Exaudi), Trinitatis, Marienfeste, Engelfeste (Michaelis am 29. September) sowie alle Heiligentage, die nicht Märtyrertage sind (Geburt Johannes des Täufers am 24. Juni, Apostel und Evangelist Johannes am 27. Dezember, Sylvester am 31. Dezember.).

 

Ein großes Projekt, das uns über viele Jahre begleitet hat, ist an sein Ziel gekommen. Die Farbe WEISS wurde zu Ostern 2005 übernommen. Die Gestaltung dieser Gobelins ist die schwierigste gewesen. Bei den anderen Farben ROT, GRÜN und VIOLETT ist es uns schneller gelungen, die künstlerischen Entwürfe zu würdigen und aus mehreren dann den einen zu wählen, der unserer Vorstellung und seiner Bedeutung gerecht wurde. Die weiße Farbe vor unserem weißen Altar, das hat uns lange beschäftigt. Eine erste Staffel von Entwürfen hatte vor mehreren Jahren bei uns keine Zustimmung gefunden. Diesmal lagen uns gleich drei Entwürfe vor, die allesamt Gefallen fanden. Im erweiterten Kreis des Gemeindekirchenrates wurden diese vorgestellt und diskutiert. Und bald sahen immer mehr, welcher Entwurf auf unserem Altar als Schmuck an den Christusfesten liegen sollte. Die Entscheidung war am Schluss leicht.


Zu ihm kommt als zu dem lebendigen Stein, der von den Menschen verworfen ist, aber bei Gott auserwählt und kostbar. Und auch ihr als lebendige Steine erbaut euch zum geistlichen Hause und zur heiligen Priesterschaft, zu opfern geistliche Opfer, die Gott wohlgefällig sind durch Jesus Christus.
Darum steht in der Schrift (Jesaja 28,16): »Siehe, ich lege in Zion einen auserwählten, kostbaren Eckstein; und wer an ihn glaubt, der soll nicht zuschanden werden.«
Für euch nun, die ihr glaubt, ist er kostbar; für die Ungläubigen aber ist »der Stein, den die Bauleute verworfen haben und der zum Eckstein geworden ist, ein Stein des Anstoßes und ein Fels des Ärgernisses« sie stoßen sich an ihm, weil sie nicht an das Wort glauben, wozu sie auch bestimmt sind.
Ihr aber seid das auserwählte Geschlecht, die königliche Priesterschaft, das heilige Volk, das Volk des Eigentums, dass ihr verkündigen sollt die Wohltaten dessen, der euch berufen hat von der Finsternis zu seinem wunderbaren Licht; die ihr einst »nicht ein Volk« wart, nun aber »Gottes Volk« seid, und einst nicht in Gnaden wart, nun aber in Gnaden seid.

1. Petrus 2,4-10

 

 


 

Arbeitstitel "Altargraffiti"

Wiederholt haben wir uns in der Konfirmandenarbeit zum Thema Kirchenjahr kreativ mit den liturgischen Farben befasst. Auf Freizeiten und bei besonderen Treffen sind so eindrückliche künstlerische Werke entstanden.

Diese haben mittlerweile einen festen Ort in der Kirche und reihen sich ein in den Rhythmus des geschmückten Altars.

 

 

 

Als Vorarbeiten zur Farbe Violett schufen die Konfirmanden kleine Leinwände (20x20cm) aus verschiedenen Materialien und Farben. Diese wurden dann zu einem Gesamtbild (80cm x 160 cm) zusammengestellt.

 


 

 

 

Bei der Arbeit an den Paramenten der Farbe GRÜN haben sich die KonfirmandINNen durch Strukturen und Muster der Natur inspirieren lassen. Die Verbindung zur Natur tut uns Menschen gut. Neben den Ergebnissen, die den Betrachter zum Entdecken und Verweilen einladen, beeindruckte uns vor allem die Atmosphäre, in der die Jugendlichen gemeinsam nähten, knoteten, verwoben und sprayten. Hilfsbereitschaft und gegenseitige Inspiration, Geduld und Spaß am gemeinsamen Schaffen haben die Zeit bei dem Freizeitseminar geprägt.

 

 

 

 

 


 

 

 

 

 

 

 

 

Die Farbe VIOLETT ist die der Buߖ und Fastenzeiten besonders vor Ostern (Passionszeit) und vor Weihnachten (Adventszeit). Mit ihren neuen Paramente thematisieren die KonfirmandINNen die Zerrissenheit unserer Welt und das Leiden der Schöpfung - aber auch unsere Hoffnung. Buße, das ist Veränderung. Am Anfang steht die Erkenntnis dessen, was falsch läuft. Darauf folgt dann das Innehalten und die Hinwendung zum richtigen Ziel mit dem Vertrauen darauf, dass Gott den Weg dahin segnet.

 

 


 

 

 

 

 

Eine Skulptur zum Thema

Neben den Paramenten ist ein weiteres Kunstwerk zum Thema in Zusammenarbeit mit der bildenden Künstlerin Gabriele Schnars entstanden. 
Die Skulptur stellt auf 5 Stelen die vier liturgischen Farben dar. Sie ist das eindrucksvolle Ergebnis aus der konzentrierten und engagierten Arbeit der KonfirmandINNen. Mit der kreativen Anleitung durch Gabriele Schnars sind die KonfirmandINNen ein Stück über sich hinaus gewachsen.
In einem Gottesdienst zum Thema „Farben des Lebens“ wurden die Kunstwerke der Gemeinde vorgestellt.

Seitdem hat auch diese Skulptur ihren Ort im Kirchenraum und wird so gedreht, dass sie die je aktuelle Farbe zeigt.

Vorarbeiten zur Farbe ROT

 

Im Jahr 2013 haben Konfirmanden sich zuletzt mit der liturgischen Farbe ROT befasst. 25 kleine Leinwände, die dabei entstanden sind, wurden zu dem Gesamtbild (100x100 cm) zusammengefasst. Zur Ausführung sind die Paramente dann nicht mehr gekommen.

Kalenderblatt

Di, 12. Nov. 2019
Siehe, ich will mich meiner Herde selbst annehmen und sie suchen.
Hesekiel 34,11
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