Die Schiffsmodelle

Das Modell der alten „Großherzogin Elisabeth" in der Vitrine wurde schon in den 80er Jahren der Kirche gestiftet.
Die Familie Janssen und die Reederei Janssen haben 1994 der Kirchengemeinde das Modell der neuen „Großherzogin Elisabeth" gestiftet, das als Votivschiff einen Platz in der Kirche finden sollte. Zuvor war das Segelschulschiff „Großherzogin Elisabeth"  bei Reparaturarbeiten auf der Werft ausgebrannt. Durch viel Engagement und Spenden konnte das Schiff erhalten werden. So lebt die alte Tradition der Votivschiffe als Dank für erhörte Gebete und für Bewahrung in Not bei uns weiter.

Schlechte Zeiten

Früher standen in der Kirche zwei große Öfen und die Gottesdienstbesucher brachten besonders nach dem Krieg Kohlen und Briketts mit zum Heizen. Das nützte denen, die nahe am Ofen saßen. In besonders schweren Zeiten traf man sich im Konfirmandenraum an der Pastorei zum Gottesdienst. Dafür hatte Axel Plath ein Altarbild gemalt, in dem er die Not der Menschen in Krieg und Gefangenschaft und Flucht aufnahm unter dem Wort: Kommt her alle, die ihr mühselig und beladen seid.

Die Glocken

Eine alte Glocke von Ghert Klinghe aus dem Jahr 1433 trug die Heiligennamen Crispin und Crispinian und hielt so die Erinnerung fest an die in der Weser untergegangene alte Elsflether Kirche (Inschrift: Anno 1433, Crispin, Crispinian, Nicolai, God ghewe siner seele road, de mi ghegaten had, ghert klinghe.). Diese Glocke ist 1891 gesprungen und eingeschmolzen worden für den Guss von zwei Glocken. Die kleinere davon überdauerte beide Weltkriege. Sie trägt die Inschrift: Kommt, denn alles ist bereit. Luc. 14,17. 1891.
Die zweite Glocke wurde im Krieg eingeschmolzen. Am 17.09.1951 konnte Pastor Garduhn eine Patenglocke aus einer Kirche des schlesischen Frankenstein einholen. Deren Guss wird auf die Zeit um 1500 geschätzt. Die Inschrift lautet: lucas markus johannes matheus caspar balthesar o rex glorye veni cum pace (o König der Ehre komm mit Frieden).

Die Deckenbohlen

Wenn man die Kirche betritt, kann man heute wieder die Deckenbalken betrachten, die für 150 Jahren unter einer Decke versteckt waren. 
Im Verlauf der ersten Phase der Renovierung wurden wir oft erinnert an die aus heutiger Sicht allzu gründliche Renovierung der Kirche in den 60er Jahren, bei der viele Holzeinbauten (Altar, Emporen, Sakristei etc.) verschwanden. 
Damals hatte unser Küster ein Problem. Im Fußboden seines Gartenschuppens war ein Loch. Heute erst wissen wir , wie wichtig dieses Loch war. Von dem vielen alten Holz, das damals aus der Kirche geschafft wurde, um auf dem Müll zu landen, suchte der Küster sich zwei kräftige Bohlen aus und löste damit sein Problem. Bei der Renovierung erinnerte er sich wieder daran. Und so konnten versierte Restauratoren die -von den Deckenbalken einmal abgesehen- bisher einzigen Details der ursprünglichen Deckenbemalung konservieren: kräftige, gut erhaltene Farben, wahrscheinlich aus dem 17. Jahrhundert. Der Gemeindekirchenrat entschloss sich aber, die sehr bunte Decke nicht wieder herzustellen. So beließ man es dabei, die alte Bemalung der Balken mit Skalpell und Zahnbürste wieder freizulegen und auf die neuen Deckenbohlen eine schlichte Begleitmalerei aufzubringen, die von der vorhandenen Malerei der Balken abgeleitet wurde.
Warum der Balken über dem Altar völlig anders ist (Marmorierung), konnte nicht geklärt werden.

Das Lutherbild

1930 am 25. Juni, als Erinnerung an die Vierhundertjahrfeier der Augsburgischen Konfession, ist für die Kirche ein Lutherbild angeschafft worden. Auf der Rückseite des Bildes stehen Widmung und die Namen der Kirchenratsmitglieder verzeichnet.
Etwas streng schaut Martin Luther bei uns in die Gemeinde. Und der grünliche Farbton stützt diesen Eindruck noch.
War das der Grund, dass das Bild eines Tages unauffindbar war?
Alles Suchen und Fragen half nicht, das Bild blieb verschwunden. Doch irgendwie war es doch so manchem ans Herz gewachsen. So kam es, dass wie durch ein Wunder nach einiger Zeit das gleiche Bild noch einmal gefunden wurde. Es war zwar kleiner als das Ursprüngliche; doch man war zufrieden. Nur kurze Zeit hing das Bild als Ersatz in der Kirche, da tauchte das Original wieder auf. Nun hat die Gemeinde Martin Luther zweimal.

Der Kirchenstuhl in England

Antje Gräfin Grote (geborene Hinrichs) schrieb uns zur Weihnachtszeit mit herzlichen Grüßen folgenden Brief, der erklärt, was aus einem Teil des Holzes geworden ist, das bei einer Renovierung aus unserer Kirche entfernt wurde:

Ado Schiff sagte einmal, wenn man aus Elsfleth und Umgebung stamme, sei man - wo immer man auf der Welt auch wäre - mit einem unsichtbaren Gummiband an diese Heimat gebunden. Ich habe dies Gefühl von vielen, die selbst einmal dort lebten oder ihren Nachkommen bestätigt gefunden - so, wie es auch uns ergeht. Wagemut und Sesshaftigkeit haben diese kleine Stadt und die Landschaft in eigener Weise geprägt. 
Unser sichtbares Gummiband ist der Kirchenstuhl; die ehemalige hölzerne Vertäfelung des alten Kirchenplatzes unserer Familie in der Elsflether Kirche. Dass dies Gestühl uns nun nach England begleitet hat, kam so: Als Ende der 60. Jahre die Kirche renoviert wurde, war beschlossen worden, dass die Kirchenstühle entfernt werden sollten, mit Ausnahme des Münnich'schen, der jetzt noch vorhanden ist. 
Christian Külken, der damals im Kirchenrat war, informierte uns über dieses Vorhaben, weil er der Meinung war, dass diese Plätze einmal von den jeweiligen Familien errichtet wurden und diese nun auch entscheiden müssten, was mit der alten Vertäfelung geschehen sollte. Wir holten nun unsere Teile, und nachdem wir sie erst in unserem Haus am Liener Deich eingebaut hatten, nahmen wir sie bei unserer Umsiedlung nach England mit und bauten sie hier ein, (siehe Bild). 
An diesem Platz hängen auch allerlei Erinnerungen. Wenn wir als Kinder gelegentlich zum Gottesdienst mitgenommen wurden, war das immer ein Erlebnis. Schon die Fenster, die man wie in den damaligen Zügen herauf- und herunterlassen konnte, faszinierten uns. Es gab auch eine Geschichte über meinen Großvater, der streng auf Pünktlichkeit bedacht war und Sonntags punkt 12.00 Uhr zum Mittagessen in Neuenwege zurück sein wollte, damit seine jungen Leute pünktlich den freien Nachmittag haben konnten. Zu jener Zeit, zwischen 1870 und 1907, muss manchmal ein Pastor so recht kein Predigt-Ende gefunden haben, und man erzählte sich, dass mein Großvater dann, erst allmählich, und wenn das nicht half, recht deutlich das geöffnete Fenster nach unten zog. Einmal soll es einen ziemlichen Knall gegeben haben, und das Fenster war zu. 
Dies alles gab es nun nicht mehr. 
An seinem heutigen Platz in unserem Haus in England ist der Kirchenstuhl im Wohnraum Zwischenwand und Vitrine sowie Durchgang zugleich geworden. Zu Freud und Leid versammeln wir uns dort, so zur Trauerfeier für unsere älteste Tochter, aber auch der Nachfeier zur Taufe unseres Enkels, siehe Bild. Mit dabei ist die alte, silberbeschlagene Oldenburgische Bibel von 1735 meines 3x Ur-Großvaters Bunning aus Elsfleth. 
Zum Schluss noch eine wundersame Begebenheit: Es gab vor einigen Jahren die TV-Sendung "Weihnachten in Elsfleth". Wir nahmen diese Sendung auf und spielten das Video am Weihnachtstag abends der Familie vor - die Kinder und Enkel waren da. Als nach der Weihnachtsgeschichte Anna-Maria Kaufmann in der Kirche sang,  mit dem Rücken zum Nord-Eingang, erschien plötzlich unser Kirchenstuhl am alten Platz im Bild. Einen Moment waren wir verwirrt und sehr bewegt, dann erkannten wir, dass sich der Kirchenstuhl genau dort auf dem Bildschirm spiegelte, wo er einmal über 200 Jahre hingehört hatte. Es war ein unvergesslicher Augenblick, und ich glaube, auch die Enkel haben etwas von dem Zauber gespürt, den belebte Vergangenheit hat, die überdauert.

Die Renovierung

Alles hatte begonnen mit einem Sylvesterkracher. Am Neujahrstag 1988 brannte die Kirche, was aber glücklicherweise gleich entdeckt wurde, so dass sie schnell  gelöscht  werden  konnte. Der Schaden durch den Brand belief sich auf ca. 80000,- DM. Die Untersuchung der Kirche machte allerdings deutlich, dass die Renovierung wesentlich größere finanzielle Aufwendungen erfordern würde. So wurde bald die Statik der alten Dachkonstruktion in Frage gestellt. Bis Windstärke 7 immerhin sollte sie nach Auskunft des Ingenieurbüros noch verkraften. Vor Beginn des Gottesdienstes streckten da die Pastorin und der Pastor den Finger in die Luft, um so die Windstärke festzustellen. Ein genaueres Messgerät stand nicht zur Verfügung. So konnten wir am Heiligen Abend ein Auge zudrücken und ein bisschen schummeln. Es wäre doch schade gewesen, hätten wir ohne Gottesdienst wieder nach Hause gehen müssen. Diese Entwicklung jedenfalls war es, die zu dem Entschluss führte, nun doch eine umfangreiche Renovierung durchzuführen.

Die Pastorengräber

Bei der Restaurierung der Kirche waren mehrere Grabkeller aufgetaucht. Einer musste wegen des Einbaus einer neuen Heizungsanlage geöffnet werden. Dabei wurden zwei Särge gefunden, von denen einer noch komplett erhalten war. Ein Archäologe musste her, interessierte doch, wer da nach vielen Jahren gestört wurde. Zunächst galt es darum festzustellen, zu welcher Zeit die Beisetzung stattgefunden hatte. Dazu wurden einige Holzproben aus dem Eichensarg an das Dendrochronologische Labor in Göttingen geschickt. Das Gutachten des Labors ergab, dass der Baum, aus dem der Sarg damals gebaut wurde, im Jahr 1737 gefällt worden war. Wer war's also?
Beim Blick in die Kirchenbücher stießen wir auf eine Eintragung, nach der 1741 der Elsflether Pastor Claußen in der Kirche bestattet wurde. Wir waren schon froh, so schnell fündig geworden zu sein. Doch bei näherem Hinsehen stellte sich heraus, dass Pastor Claußens Grab das 8. von der Kanzel aus gerechnet in der „alten Kirche"  war. Es wurde deutlich, dass in dieser Zeit der gesamte Untergrund der Kirche mit Grabkellern und Gräbern ausgestattet war. Pastoren, Kirchengeschworene, Zollbeamte und andere angesehene Elsflether Bürger hatten Begräbnisstätten in der Kirche. So sind weiter in der „alten Kirche" bestattet: Die Pastoren Christopher Lahusius - 1593-1635 (Lahusen), Christian Lahusen - 1636-81 und Corbach senior 1681-1707, der Rath Gramberg, Assessor Hauerken, Harling, Sebagen und Beeken. Die Liste der Begräbnisse in der „neuen Kirche" ist mittlerweile gefunden. Sie enthält mit Sicherheit einige Zollbeamte, ist aber noch nicht entziffert.

Kalenderblatt

Di, 12. Nov. 2019
Siehe, ich will mich meiner Herde selbst annehmen und sie suchen.
Hesekiel 34,11
http://www.kirche-oldenburg.de

Service

  • Startseite
  • RSS
  • Zum Seitenanfang
  • Seite drucken

© 2019 Ev.-luth. Kirchenkreis Wesermarsch | Schulstraße 4 | 27809 Lemwerder | fon 0421-678974 | email jodanide@gmail.com