Digitale Andachten und Gottesdienste

Viele Kirchengemeinden im Oldenburger Land setzen in diesen Tagen auf sehr kreative Weise auf digitale und elektronische Formen von Gottesdienst und Andacht.

Verschiedene Angebote sind auf dieser Webseite verlinkt: https://www.kirche-oldenburg.de/kirchezuhause  

Andacht, 31. Mai 2020 Pfingsten

Es soll nicht durch Heer oder Kraft,

sondern durch meinen Geist geschehen,

spricht der Herr Zebaoth.

(Sacharja 4, 6b - Wochenspruch)

Pfarrerin
Katja Röker

Liebe Mitmenschen,

„Rakkastan sinua“, „jag älskar dig“, „Miluji tě“ ... all diese schönen Worte bedeuten „Ich liebe dich“. Doch was nützen sie einem, wenn man die Sprache nicht versteht? Man kann sich natürlich auch „mit Händen und Füßen“ verständigen. Aber das klappt leider nicht immer. Wenn z. B. ein Grieche „Ja“ sagt, schüttelt er den Kopf, und in Tibet streckt man sich zur Begrüßung die Zunge raus. Das käme bei uns bestimmt nicht gut an.

Noch schwieriger ist das Verstehen, wenn es nicht nur um einzelne Worte oder Gesten geht, sondern um ganze Zusammenhänge. Wir haben z.B. ein wunderbares Grundgesetz, auf dem unser Staat aufgebaut ist und das uns Meinungs- und Demonstrationsfreiheit gibt. Dennoch kommt es jetzt zu der absurden Situation, dass Menschen gerade diese verbriefte Freiheit nutzen, um auf die Straße zu gehen und zu behaupten, sie seien nicht frei und dürften ihre Meinung nicht sagen. Was nützt einem die beste Rechtsordnung, wenn man nicht versteht, dass man ihr ja eigentlich vertraut?

Damit wir Menschen einander verstehen, sind die gleiche Sprache und eine ähnliche Kultur hilfreich, um Missverständnisse zu vermeiden. Aber das Wichtigste ist wohl, dass man auch verstehen will, und dass man offen für den anderen ist. Wer die Welt immer nur durch seine eigene Brille betrachtet und nur seinen eigenen Standpunkt gelten lässt, wird sich nur schwer mit anderen verständigen können.

In den jetzigen Zeiten müssen wir alle Vieles verstehen: die Aussagen der Virologen, die verschiedenen Standpunkte der Politiker, die Ängste der Risikogruppen, die Sorgen der Wirtschaft, die Nöte der Familien, die Wut, den Frust, die Depression von vielen, den Leichtsinn der Lebenshungrigen, die Bedenken der Vorsichtigen, die selbsternannten und die echten Experten, die Geltungssüchtigen und die, die wirklich etwas zu sagen haben usw. Nicht alle haben Recht, aber alle haben ein Recht darauf, verstanden zu werden. Das ist nicht leicht, zumal wohl niemand von all diesen Regungen unberührt ist. Wer Angst hat und sich von anderen Meinungen schützen muss, der kann nicht gut verstehen. Es fehlt ihm die Offenheit und das Vertrauen sich darauf einzulassen. Umso mehr brauchen wir jetzt die Kraft, einander zuzuhören und wahrzunehmen, damit wir diese Krise als Gemeinschaft bestehen.

Wenn Menschen einander wirklich verstehen, dann war das schon immer ein Geschenk – ja ein Wunder. Die Pfingstgeschichte berichtet uns von so einem Wunder. Viele Menschen aus aller Herren Länder konnten sich auf einmal verstehen, weil jeder den anderen in seiner Muttersprache reden hörte. Kein Problem mehr mit „Rakkastan sinua, ich liebe dich“!  Pfingsten ist das Fest der großen Verständigung. Gott schenkt uns seinen Heiligen Geist, der uns die Herzen, die Ohren und die Augen für den anderen öffnet.

Gottes Geist zieht bei uns ein. Jesus nennt ihn den „Geist der Wahrheit“! Er lehrt uns, einander und auch uns selbst zu verstehen, in Klarheit und in der Barmherzigkeit, die wir alle gerade jetzt besonders nötig haben. Der Heilige Geist schenkt uns das getroste Vertrauen auf Gott, der uns sagt: „Ich liebe dich!“ Leihen wir ihm unser Ohr und wir werden glauben, hoffen und lieben, so wie Gott es sich für uns wünscht!

            Ein frohes Pfingstfest wünscht Ihnen

                                                           Ihre Pastorin Katja Röker

Zum Nachlesen   

Evangelium: Johannes 14, 15-27;    Pfingstgeschichte: Apostelgeschichte 2, 1-21

Andacht, Sonntag 24. Mai Exaudi

Christus spricht: Wenn ich erhöht werde von der Erde,

so will ich alle zu mir ziehen.

(Johannes 12, 32 - Wochenspruch)

Pfarrerin
Renate Boltjes

Liebe Gemeindeglieder und Mitmenschen!                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                    Dieser Sonntag zwischen Himmelfahrt und Pfingsten ist ein merkwürdiger Zwischensonntag. Er ist zunächst geprägt von Leere und Ungewissheit. Jesus ist nicht mehr bei seinen Jüngern, denn er ist nun bei Gott, seinem Vater. Jesu Freunde können nicht mehr so mit ihm sprechen, wie sie es taten, als er unter ihnen lebte, von Angesicht zu Angesicht. Wie sie ihm künftig nahe sein werden und was sein Versprechen des Heiligen Geistes für sie bedeuten wird, das wissen sie noch nicht. Dieses Warten und Fragen nach Gott bringt auch der Beter des 27. Psalm zum Ausdruck. Dort finden wir auch uns wieder mit unserer Bitte, ja manchmal sogar unserem Schrei nach Gott, der dem Sonntag den lateinischen Namen gegeben hat: Exaudi! HERR, höre meine Stimme! Manchmal zweifeln wir an Gottes Nähe und fühlen uns von ihm wie der Psalmbeter zurückgestoßen.

 

Wir befinden uns auch in einer merkwürdiger Zwischenzeit. Viele Selbstverständlichkeiten, die unser Leben noch vor wenigen Monaten prägten, gibt es nicht mehr. Begegnungen mit körperlicher Nähe sind kaum noch möglich. Ängste vor dem Coronavirus oder seinen Folgen für das Leben vieler Menschen bewegen uns sehr. Wir hoffen, dass sich die Zeiten wieder ändern werden. Jedoch so wie vor der Krise werden sie nicht mehr werden.

 

Gerade in dieser Zeit fragen und suchen wir nach Gott. Wir bitten nicht nur „Gott, hörst du mich?“, sondern wir überlegen auch: „Was willst du, Gott, uns mit all dem, was geschieht, sagen? Wo ist deine Stimme vernehmbar im Stimmengewirr dieser Welt?“

 

Da ist es gut und es hilft uns weiter, dass Jesus bei seinem Abschied von der Erde den Heiligen Geist versprochen hat. In ihm will er auf neue Weise unter uns sein unbegrenzt durch Zeit und Raum. Der Heilige Geist wird von Jesus selbst der Tröster oder Beistand genannt, da er uns zeigt, dass Gott für uns da ist. Der Geist hilft uns dabei, Gott zu vertrauen und erinnert uns an alles, was Jesus uns gesagt hat. Unser Wochenspruch bringt das bildhaft zum Ausdruck: Gott zieht uns zu sich. Er will uns in seiner Nähe haben. Er ist stärker als alles, was uns nach unten zieht und niederdrückt. Darum sollen wir um seinen Geist bitten, der uns mit Freude, Hoffnung und Frieden erfüllen will, damit wir neue Wege finden und Gott und zu den Menschen, die uns brauchen. 

 

Herzlichst        Ihre Pastorin Renate Boltjes

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Mi, 3. Jun. 2020
Die Augen des HERRN merken auf die Gerechten und seine Ohren auf ihr Schreien.
Psalm 34,16
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