Digitale Andachten und Gottesdienste

Viele Kirchengemeinden im Oldenburger Land setzen in diesen Tagen auf sehr kreative Weise auf digitale und elektronische Formen von Gottesdienst und Andacht.

Verschiedene Angebote sind auf dieser Webseite verlinkt: https://www.kirche-oldenburg.de/kirchezuhause  

Andacht, 12. Juli 2020 5. So. nach Trinitatis

Aus Gnade seid Ihr gerettet durch Glauben,

und das nicht aus Euch: Gottes Gabe ist es.

(Epheser 2, 8 - Wochenspruch)

Vikar
Henning Menke

Liebe Schwestern und liebe Brüder,

„Wir müssen reden!“ Unterhaltungen, die so beginnen, lassen meist nichts Gutes erahnen. Das gebe ich gerne zu. Aber keine Sorge: An dieser Stelle muss weder eine Ehekrise thematisiert noch ein schlechtes Arbeitsklima im Büro besprochen werden. Im Gegenteil – es geht um etwas Schönes!

 

Auf dem Deckblatt dieses „Gottesdienstes zum Mitnehmen“ habe ich Ihnen eine Karikatur des Zeichners Thomas Plaßmann abgedruckt, die mich seit vielen Jahren begleitet. Zu sehen sind vier Personen. Und die drei auf der linken Seite wurden offenkundig soeben nach ihrem christlichen Glauben gefragt und danach, was denn diese 'frohe Botschaft' sei, von der oft so leicht dahergeredet wird. Keine sonderlich komplizierte Frage, könnte man im ersten Moment meinen. Doch schon ein Blick auf Gesichtsausdruck und Handhaltung der drei macht deutlich, dass sie gerade völlig auf dem falschen Fuß erwischt worden sind. Und so antworten sie ziemlich fahrig: „Christen?! Ja nu … Sicher! … Also … irgendwie schon! …“ Von dieser Antwort scheinbar tief enttäuscht und in jedem Fall wenig begeistert sagt daraufhin der Fragesteller rechts mit deutlicher Ironie: „Muss ja ein echter Knaller sein Eure frohe Botschaft!“

 

Wenn ich mir diese Karikatur ansehe, muss ich unweigerlich an unsere Kirche denken. Denn wenn ich auf uns Christen blicke – mich selbst natürlich immer eingeschlossen –, dann frage ich mich oft, wo denn unsere Freude über Gottes Liebe zu uns zum Ausdruck kommt. Muss nicht jeder, der einmal Gottes Liebe erfahren hat, zwangsläufig in lauten Jubel ausbrechen? Ist diese Liebe nicht so allumfassend, überwältigend und tröstlich, dass jeder Mensch das Recht darauf haben sollte, von ihr zu erfahren? Und hat nicht der Beter in Psalm 73 Recht, wenn er am Ende sagt: „Das ist meine Freude, dass ich mich zu Gott halte und meine Zuversicht setze auf Gott den HERRN, dass ich verkündige all Dein Tun“? Er empfindet diese Freude und kann deshalb gar nicht anders, als auch von Gottes Liebe zu erzählen.

 

Für mich ist dieser Beter ein Vorbild. Und ich würde es mir wünschen, dass wir alle wie er in die Welt hinausgehen und mit glühendem Herzen von Gottes Liebe zu den Menschen erzählen würden. Von der frohen Botschaft davon, dass es einen Gott gibt, der uns in Jesus Christus so nahegekommen ist und für uns dem Tod die Macht genommen hat. Dabei geht es gar nicht ums „Missionieren“ – ein Wort, das mittlerweile nicht ganz ohne Grund eher negativ behaftet ist. Unser „Reden von Gott“ kann immer nur ein Angebot sein, das den Glauben anderer Menschen respektiert. Denn wie es schon in unserem Wochenspruch heißt: „Aus Gnade seid Ihr gerettet durch Glauben, und das nicht aus Euch: Gottes Gabe ist es.“ Unser christlicher Glaube ist demnach nichts, was wir uns verdienen könnten. Er ist ein Geschenk Gottes an uns aus lauter Gnade, zu dem wir selbst nichts beigetragen haben. Was wir aber tun können, ist, dem Glauben der Menschen den Boden zu bereiten, damit er als Geschenk in ihre Herzen einziehen kann. Und dafür müssen wir reden! Von Gott, der die Menschen aller Nationen und Hautfarben gleichermaßen liebt. Von Jesus und seiner Botschaft, den Nächsten zu lieben wie sich selbst. Und davon, wie sehr uns der Glaube an diese Liebe in Freud und Leid durch unser Leben trägt.

 

Es grüßt Sie von Herzen Ihr Vikar Henning Menke

 

 

Andacht, Sonntag 5. Juli 4. Sonntag nach Trintitatis

Einer trage des andern Last,

so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen.

(Galater 6, 2 - Wochenspruch)

Pfarrerin
Renate Boltjes

Liebe Gemeindeglieder und Mitmenschen!                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                   Einer trage des andern Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen. - Unser Wochenspruch ist ein kurzes, prägnantes Bibelwort. Doch wenn wir es genauer lesen, dann stimmt es uns nachdenklich. „Jeder hat sein Päckchen zu tragen“, so sagt ein Sprichwort. Dieses Päckchen ist mitunter ziemlich schwer besonders in diesen Zeiten, wo wir wegen Corona mit Ängsten und Einschränkungen leben müssen. Ein weiteres Päckchen wird uns dadurch aufgeladen. Manche sind jetzt besonders einsam, andere befürchten sehr, sich mit dem Virus anzustecken, da sie schon Vorerkrankungen haben. Da fragen wir uns doch, ob wir zusätzlich zu den eigenen Lasten noch die Lasten anderer schultern können, wo die  eigenen uns schon genug niederdrücken, denn es heißt ja: Einer trage des andern Last, …                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                     Doch wir sollten das Bibelwort weiterlesen: … so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen. Das, was wir tun sollen, hat mit Jesus Christus zu tun. Es entspricht also dem, was er für uns getan hat. Davon haben wir an den letzten beiden Sonntagen gelesen: Wenn wir Gottes Hand losgelassen haben, dann sucht er uns und bringt uns wieder zu sich zurück. Er trägt mit uns die Last unserer Sorgen und unserer Schuld. Auch wenn wir uns allein und hilflos fühlen, sind wir nicht verlassen. In Jesus Christus ist Gott immer in unserer Nähe und gibt uns seine Kraft.                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                          Darum können wir die Lasten der anderen mittragen. In der Brieflesung für den heutigen Sonntag wird das so gesagt: Vergeltet niemandem Böses mit Bösem. Seid auf Gutes bedacht gegenüber jedermann. Ist's möglich, soviel an euch liegt, so habt mit allen Menschen Frieden. … Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem. (Römer 12, 17+18+21) Genauso wie Gott in Jesus Christus zu uns kommt, so können wir den ersten Schritt auf den anderen zu gehen. Gerade jetzt sind bestimmt viele dankbar, wenn sie spüren, dass ein anderer sich für sie und ihre Sorgen interessiert. Und wenn eine Schuld oder eine Verletzung zwischen uns steht, so kann ich dem anderen sagen und  durch meine Freundlichkeit zeigen, dass ich ihm vergebe. So kann er sich selbst verändern.                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                  Denn: Einer trage des andern Last...   Das bedeutet auch, um es wieder mit einem Sprichwort zu sagen, „Geteiltes Leid ist halbes Leid.“ So machen wir einander das Leben leichter.                                                                                                                                                                                      Herzlich grüßt Sie Ihre Pastorin Renate Boltjes                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                     

 

(Zum Nachlesen: Evangelium: Lukas 6, 36-42; Brieflesung: Römer 12, 17-21)                             

Andacht, 28. Juni 2020 3. Sonntag nach Trinitatis

Christus spricht: Der Menschensohn ist gekommen,

zu suchen und selig zu machen, was verloren ist.

(Lukas 19, 10 - Wochenspruch)

Liebe Mitmenschen,

„Die kleine Monika möchte von ihren Eltern in der Spielzeugabteilung abgeholt werden!“ Kennen Sie solche Kaufhausdurchsagen noch? Früher waren sie häufig zu hören. Im Getümmel der Einkaufenden haben immer wieder Kinder ihre Eltern verloren. Sicher verlockte auch manche reizvoll aufgebaute Ware die Kinder dazu, ihre eigenen Wege zu gehen. Nur mal eben gucken und staunen … und schon war der Papa weg. Oje! Das ist nicht schön, so verloren zu gehen. Ich kann mich noch ganz gut daran erinnern, dass mir das als kleinem Mädchen auch mal passiert ist. Da hatte ich tüchtig Angst! Lauter fremde Leute, keiner, der mich kennt, keiner, der weiß wo ich hingehöre. Der ganze Halt, den ich durch meine Eltern erfahren hatte, war auf einmal weg. Die aufmerksame Verkäuferin, die die Durchsage machte, tröstete ein wenig, aber auch sie war ja fremd. Zum Glück musste ich nicht lange warten, bis meine Eltern auftauchten.

            Verlorengehen – das ist eine Erfahrung, die nicht nur Kinder machen. Auch als Erwachsener kann man sich verloren fühlen. Wenn Lebensentwürfe, die man sich gebastelt hat, auf einmal nicht mehr funktionieren. Wenn sich Grundentscheidungen, die man gefällt hat, als falsch erweisen. Wenn Lebenszusammenhänge, auf die man sich verlassen hat, auf einmal abbrechen. Wenn wir uns fragen: „Was mache ich hier eigentlich? Was passiert hier eigentlich gerade mit mir?“ Wäre es nicht toll, wenn wir dann auch so eine Durchsage machen lassen könnten: „Hallo, ich möchte bitte von meinem Vater abgeholt werden!“

Das hat sich wahrscheinlich auch der junge Mann gewünscht, von dem das Evangelium heute erzählt. Er ist der „verlorene Sohn“, der seine eigenen Wege ging und in Not geraten ist. In der tiefsten Verzweiflung machte er sich auf wieder zurück zum Vaterhaus. Wie gut, dass er den Weg kannte!

            Auch wir Christen gehen oft unsere eigenen Wege. Im Trubel des Alltags mit all seinen Anforderungen, angelockt von bunten Werbever-sprechen, die ein besseres und sorgenfreies Leben in Aussicht stellen, verführt von der eigenen Bequemlichkeit vergessen wir leicht, dass wir im Leben zusammen mit unserem Vater auf dem Weg sind. Wir können seine Hand loslassen und ihn verlieren, wenn wir uns von der glitzernden Konsumwelt zu sehr beeindrucken lassen, oder der Versuchung nach-geben, alle anderen aus dem Weg zu drängen, um selbst der Erste oder die Beste zu sein. Im Mittelalter formulierte die Kirche die sieben Todsünden, die auch noch heute aktuell sind. Es sind Eitelkeit, Geiz, Ausschweifung, Zorn, Selbstsucht, Neid und Trägheit. Sie tun keinem von uns gut. Und vieles, worunter wir leiden und was in unserem Leben schiefläuft, hat hier seine Ursache. Sie trennen uns von Gott, der für uns und unser Leben etwas ganz anderes vorgesehen hat, nämlich Liebe und Beziehung, Glauben und Vertrauen, und Hoffnung und Zuversicht! Darin liegt das Glück, das Gott uns so sehr und von ganzem Herzen gönnt. Was tun, wenn wir seine Hand losgelassen und uns verlaufen haben? Was tun, wenn wir abhandengekommen sind?

Der verlorene Sohn wusste, wie er wieder nach Hause kommt. - Und wir? Wissen wir das auch? Wenn nicht, dann lasst uns eine Ansage machen: „Vater, ich habe mich verlaufen! Ich möchte von dir abgeholt werden!“ Wir werden nicht lange rufen müssen. Als wir seine Hand losließen, da hat er uns im Blick behalten, so wie ein guter Vater in der Spielzeugabteilung seinen Junior über die Regale hinweg im Blick behält. Gott ist in der Nähe, auch wenn wir uns abgewandt haben. Und wenn wir ernstlich nach ihm rufen, hört er uns und ist für uns da. Denn Jesus sagt: der Menschensohn ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist!

                        Gottes Segen wünscht Ihnen Ihre Pastorin Katja Röker

Zum Nachlesen Evangelium: Lukas 15, 1-32

Pfarrerin
Katja Röker

helfen schenken teilen tauschen

Foto: Adobe.com/[People Hands Holding Colorful German Word Helfen]
Kirche Oldenburg hilft: helfen schenken teilen tauschen

Kalenderblatt

So, 12. Jul. 2020
Du, Herr, bist gerecht, wir aber müssen uns alle heute schämen.
Daniel 9,7
http://www.kirche-oldenburg.de

Service

  • Startseite
  • RSS
  • Zum Seitenanfang
  • Seite drucken

© 2020 Ev.-luth. Kirchenkreis Wesermarsch | Eselstraße 6 | 26939 Ovelgönne| Telefon 04483-9305254 | E-Mail Kirchenkreis.WM@No Spamkirche-oldenburg.de