St. Aegidius-Kirche zu Berne, 20. September 2026, 19:00
Berner Abendmusiken 2026
Orgelkonzert
Am 20 September findet das nächste Orgelkonzert der Konzertreihe "Berner Abendmusiken 2026" statt. An diesem Abend gastiert Michael Fuerst aus Hamburg in Berne.
Das erste Mal wird das Orgel nicht mit dem Elektromotor betrieben, sondern es werden die Bälge unter der Orgelempore getreten.
Der Organist Michael Fuerst begann in seiner Heimatstadt Madison (USA) sein Studium, das er an der Eastman School of Music (USA) weiterführte. Dort hatte er Orgelunterricht bei Russell Saunders und war Assistent des Lautenisten Paul O’Dette in der Abteilung für Alte Musik. 1994 siedelte er nach Deutschland um, wo er als Fulbright-Stipendiat bei Robert Hill an der Staatlichen Hochschule für Musik in Freiburg seine Studienzeit abrundete. Er war Mitarbeiter eines von der Deutschen Forschungsgemeinschaft finanzierten Projekts zur deutschen Instrumentalmusik des 17. Jahrhunderts und ist Vorstandsmitglied der Internationalen Dieterich Buxtehude Gesellschaft. Neben einer ausgedehnten Konzerttätigkeit im In- und Ausland hat Michael Fuerst an zahlreichen CD-Aufnahmen mitgewirkt - 2 davon wurden mit Echo-Klassik-Preisen ausgezeichnet. Er ist Dozent an der Hochschule für Künste in Bremen und stellte bis zur Gebäuderenovierung in einer eigenen Konzertreihe die historischen Tasteninstrumente der Sammlung des Museums für Hamburgische Geschichte der interessierten Öffentlichkeit regelmäßig vor. Seinem besonderen Interesse für Musik an historischen Orten in Verbindung mit historischen Orgeln geht er mit der Gruppe Ensemble Beatus Vir nach. Seit 2022 ist er Organist an der historischen Orgel in Borstel (Altes Land), wo er die Musik bei dem Festival Borsteler Sommerklänge gestaltet.
Sein abwechslungsreiches Programm für Berne hat Fuerst der Orgelmusik der Städte Hamburg und Lübeck gewidmet.
Die Orgelmusik des 17. Jahrhunderts in den Hansestädten Hamburg und Lübeck lässt sich in 4 Generationen teilen.
Am Anfang steht Hieronymus Praetorius (1560-1629), der in St. Jacobi in Hamburg tätig war. Seine innovative Orgelmusik leitet sich in vieler Hinsicht von der Vokalmusik ab. Während die drei Verse seines Magnificats im sechsten Ton sich recht klar als Musik im Wechsel mit einem Chor für den Gottesdienst einordnen lassen, ist die Choralfantasie ‚Christ unser Herr zum Jordan kam‘ ein Dedikationsstück, das er Herzog August zu Braunschweig und Lüneburg zum Anlass der Taufe des fürstlichen Sohnes 1625 überreichte. Dieses Stück scheint besondere Qualitäten einer fürstlichen Orgel in einer Hofkirche hervorzuheben, wie zum Beispiel das hohe e‘ im Pedal, das die meisten Orgeln dieser Zeit nicht zur Verfügung hatten.
Nach Hieronymus Praetorius kommen die Hamburger Sweelinck Schüler, zu denen Heinrich Scheidemann (1595-1663) gehört. Der berühmte Amsterdamer Stadtorganist, Jan Pieterszoon Sweelinck, bildete alle Hauptkirchenorganisten der Folgegeneration aus und war somit absolut prägend. Es gehörte zu den Aufgaben der Organisten Motetten auf ihren Orgeln vorzutragen, wenn der Chor nicht im Gottesdienst sang. ‚Dic nobis Maria‘ ist eine Ostermotette von Giovanni Bassano, die Scheidemann mit virtuosen Figuren kolorierte.
Mit Franz Tunder (1614-1667) und Matthias Weckmann (1616-1674) entschieden sich Hamburg und Lübeck für Organisten, die nicht aus städtischen Kirchen kamen, sondern vom Hof. Gerade der Einfluss des kaiserlichen Organisten Johann Jacob Froberger (1616-1667) diente diesen hanseatischen Organisten als Vorbild. Mit Froberger kamen internationale Einflüsse, sowohl aus Italien wie auch aus Frankreich, und eine neue Auffassung von musikalischem Ausdruck und Virtuosität. Weckmanns ‚Ach wir armen Sünder‘ hat 3 Versen und wird im Wechsel mit einem vierstimmigen Chorsatz von Hieronymus Praetorius (1605) gespielt. Weckmanns Stücke sind geprägt von expressiven Harmonien und Rhythmen. Tunders Choralfantasie über den Pfingstchoral ‚Komm, Heiliger Geist, Herre Gott‘ bearbeitet wie die Fantasie von Hieronymus Praetorius jede Zeile des Chorals, macht aber Gebrauch von überschwänglichen Gesten und Effekten.
Das Programm fängt mit einem Präludium von Dieterich Buxtehude (1637-1707) an. Der Lübecker Marienorganist gilt für viele als Gipfel der norddeutschen Orgelmusik. Die formale Verwandtschaft dieses Stückes mit Frobergers Toccata mit ihren kontrastierenden Teilen ist nicht zu überhören. Alle Organisten auf diesem Programm standen auf den Schultern von Riesen und führten ihre Kunst individuell weiter. Zusammen mit den Instrumenten ihrer Zeit schafften sie eine reiche Blütezeit, die uns immer noch reizt und erfreut.
Das Konzert beginnt um 19:00. Nach dem Konzert besteht die Möglichkeit miteinander und mit dem Künstler ins Gespräch zu kommen.
Weitere Konzerte der „Berner Abendmusiken 2026“:
03.10.2026 – 18:00 Pärt & Tudor „Chormusik im Dialog“ Oldenburger Kammerchor St. Ansgar Leitung: Lukas Henke
28.12.2026 – 19:00 Musik zwischen den Jahren