St. Aegidius-Kirche
Verein zur Förderung der „St. Aegidius Kirche zu Berne“
Eine anrührende Geschichte
Eine anrührende Geschichte
In unserer Kirche hängt über dem Taufbecken ein Engel, der zu einer anrührenden oder auch dramatischen Familiengeschichte der Familie Vollers gehört. Gert Vollers war der erste Organist der Berner Kirche (1596 – 1600), ihm folgte sein einziger Sohn Heinrich, der das Amt bis 1644 versah. Der Wunsch des Vaters war, dass der jüngste Sohn Gerhard diese Stelle einnehmen sollte, der achtjährige wurde auf das Konservatorium nach Delmenhorst geschickt und legte 1652 mit 17 das Examen erfolgreich ab, leider starb er bereits eineinviertel Jahre später und sein Vater, der tief betrübt war über den Tod des Sohnes, stiftete diesen Engel, der als Epitaph-Engel neben der Orgel hing. Dort blieb er über 305 Jahre hängen und wurde 1960 nach der ersten großen Innenrenovierung der Kirche im 20. Jahrhundert in das rechte Seitenschiff der Kirche über die Taufe gehängt. Erst in den 1980er Jahren wurde die Taufe in das linke Seitenschiff verlagert, wo sie heute noch steht. Im Zuge der Restaurierung der Orgel, die klanglich auf die Zeit um 1643 zurückgestellt wird, ist uns diese Geschichte wieder bewusst geworden. Daher hat der Gemeindekirchenrat beschlossen, dass der Engel wieder an seinen alten Platz neben der Orgel zurückkehren soll.
Die Restauration unseres Engels wurde von der Firma Ars Colendi, Paderborn, durchgeführt und fand von Mai bis Dezember 2025 statt. Das Ergebnis hat uns sehr erfreut. Wir danken: Der Familie Vollers, Bremen, insbesondere Herrn Lüer Vollers, für eine sehr großzügige Spende, der OLB-Stiftung, Oldenburg, der Heinz A. Bockmeyer Stiftung, Bremen, Raifeisenbank Wesermarsch-Süd/Gewinnsparen.
Das neue Kunstwerk bereichert die Ausstattung der Kirche
Am 11. Januar 2026 war es so weit, bei kühlem und klarem Wetter, feierten wir einen schönen Festgottesdienst zur Weihung des neuen Taufengels. Was war dem voraus gegangen?
Nach dem Beschluss des Gemeindekirchenrates, dass der „Vollers-Engel“ wieder an seinen alten Platz bei der Orgel kommen soll, musste eine neue Symbolik für die Taufe in die Taufnische, damit dort keine Lücke entsteht. Wir haben wir uns für einen künstlerischen Wettbewerb entschieden, der im April 2025 gestartet wurde. Das Ziel war: Für die Neugestaltung des Taufengels oder vergleichbarer christlicher Taufsymbolik eine künstlerische Gestaltung zu finden. Bis zum 20. Juni 2025 konnten dazu Vorschläge im Kirchenbüro eingereicht werden. Die ersten drei von einer Jury ausgewählten Kunstwerke wurden vom 16.-21.09.2025 in der Kirche ausgestellt. Die Jury hat zwei ausführliche Sitzungen durchgeführt und in der letzten Sitzung unter Abwägung der Gemeindebefragung entschieden, dass das von Gerlach Bente gestaltete Kunstwerk überzeugt hat.
Der Künstler schreibt zu seinem Werk:
Assoziationen
Engel werden in der Kunst und im religiösen Kontext oft als himmlische Boten Gottes dargestellt, die göttliche Botschaften überbringen und zwischen Himmel und Erde vermitteln. Der Heilige Geist hingegen ist ein Teil der Dreifaltigkeit und wird als göttliche Kraft oder Präsenz verstanden. Beide – Engel und Heiliger Geist – können metaphorisch als Vermittler göttlicher Botschaften gesehen werden, wobei Engel eher als sichtbare Boten erscheinen, während der Heilige Geist die göttliche Kraft ist, die im Hintergrund wirkt. Der Taufengel greift beide Assoziationen, also Engel und Heiliger Geist, auf und unterstreicht die Verbindung zwischen sichtbarer und unsichtbarer göttlicher Präsenz. Die beiden schließen sich hierbei nicht aus, sondern bilden im Gegensatz eine Synergie und können auf diese Weise neben- und miteinander existieren.
Licht und Schatten
Engel werden oft als Lichtgestalten dargestellt, um Reinheit, Göttlichkeit und Transzendenz zu symbolisieren. Das Licht hebt die göttliche Natur hervor, während Schatten die Konturen betonen und Tiefe schaffen. Der Taufengel greift dieses Spiel von Licht und Schatten auf und erzeugt durch seine verschiedenen Elemente eine dramatische, fast mystische Wirkung. Im Tagesverlauf entstehen durch den unterschiedlichen Lichteinfall der Sonne durch die Kirchenfenster immer wieder neue Impressionen. Beispielsweise verleihen Sonnenstrahlen dem Gold einen Glanz und ein Funkeln, wohingegen ein bedeckter Himmel zur genaueren Betrachtung der Formsprache einladen kann.
Gestaltung
Die künstlerische Darstellung des Taufengels in drei Dimensionen wirkt rätselhaft und lässt in der Betrachtung verweilen. Hierbei lässt sich die eigentliche Gestalt des Taufengels örtlich nicht bestimmen, sondern befindet sich zwischen den verschiedenen Elementen und Ebenen – etwa zwischen Licht und Schatten und zwischen Voll- und Hohlraum. Die einzelnen Gestaltungselemente harmonieren miteinander und bilden zusammen eine Komposition, die sich harmonisch in die schlichte Formsprache von Taufstein und Kerzenständer einfügt. Durch die dreidimensionale Darstellung wird dem Taufengel eine lebendige Präsenz verliehen.
Farbgebung
Gold wird in der Kunst und Architektur an sakralen Elementen häufig verwendet, weil es für Heiligkeit, Göttlichkeit und Ehrfurcht steht. Es symbolisiert Reichtum, Wert und Unvergänglichkeit, was die spirituelle Bedeutung der Gegenstände betont. Durch goldene Elemente wird eine erhabene, fast transzendente Atmosphäre geschaffen, die Gläubige an die göttliche Gegenwart erinnert und die sakrale Bedeutung des Raumes unterstreicht. Das Gold des Taufengel findet sich im Inventar der Kirche wieder, so beispielsweise am Altar, der Kanzel und Orgel und fügt sich auf diese Weise harmonisch in die Kirche ein. Die schwarzen Elemente des Taufengels bilden einen kraftvollen Kontrast zum Gold. Hiermit gewinnt der Taufengel an Tiefe.
Wir danken für die freundliche finanzielle Unterstützung zur Durchführung des Wettbewerbes:
Restaurierung der historischen Ölgemälde in der Berner Kirche
Ein weiteres Projekt, dass derzeit aktuell in der Kirche stattfindet, ist die Sanierung der historischen Ölgemälde an der Empore der Orgel und an der südlichen Außenwand.
Vielen sind diese Bilder bisher nicht besonders aufgefallen, sie sind einfach da und stellen Szenen des Alten und des Neuen Testaments da. Wer waren die Stifter? Die Stiftung geht auf das Ehepaar Gesche und Marten Bulle aus Hannöver bei Berne zurück.
Marten Bulle war Kirchen- und Deichgeschworener und lebte vom 2.2.1673 bis 17.4.1749 in Hannöver, heiratete am 16.7.1696 in Berne Gesche Kückens, die am geboren 16.3.1674 wurde und 20.10.1752 in Berne verstorben ist.
Folgende Alttestamentarische Darstellungen sind vorhanden: Die Schöpfungsgeschichte, Sündenfall, Sintflut, Turmbau zu Babel, Opferung Isaaks, Himmelsleiter im Rahmen der Väter Geschichte, geht über in die Königsgeschichte, Saul und David bis zu den Propheten zur Urgestalt des Propheten Elias.
Die Neustestamentarischen Darstellungen sind Szenen des Evangeliums: Verkündigung des Engels an Maria, Menschwerdung des ewigreichen Gottes in der Krippe, Anbetung durch die heiligen drei Könige, Taufe Jesu, Hochzeit zu Kanaa sowie der Barmherzige Samariter. Bilderzyklus zur Passionsgeschichte Jesu, Abendmahl, Stützung Jesu im Garten Gethsemane durch einen Engel, Verhaftung Jesu, Kreuztragung, Kreuzigung, Auferstehung mit Siegesfahne, Botschaft der Engel, Pfingstereignis, die die Heilsgeschichte bis ins heute transportieren.
Die Gemälde befanden sich bis 1959 an den Holzemporen in der Kirche (die sich an der Nord-/West- und Südwand befanden. 1988 wurden 15 Bilder gerahmt und in ihrer heutigen Fassung an der Süd- und Ostwand hängen, die übrigen 18 hängen an der Orgelempore.
Die Restaurierung wird von der Firma Ars Colendi aus Paderborn durchgeführt, die ersten Bilder sind bereits in der Werkstatt, die Sanierung soll zu Beginn des Jahres 2027 abgeschlossen sein.
Die Restaurationsmaßnahme ist nur möglich mit der Unterstützung von Stiftungen, bei denen wir uns sehr herzlich bedanken.
St. Ägidius-Kirche
Wichtiges zur Kirche in Kürze
Kirchenbesichtigungen mit Führung sollten im Gemeindebüro (Tel.: 04406 238) abgesprochen werden!
Wissenswertes zur St.-Aegidius-Kirche
Die St.-Aegidius-Kirche in Berne wurde als dreischiffige westfälische Hallenkirche auf niedriger Wurt erbaut. Turm und einschiffige Kirche ca. 1160, nach 1234 zur heutigen Größe erweitert.
Nach dem Jahr 1234 wurde die bis dahin einschiffige Steinkirche in Berne als "ewiges Denkmal" an die Schlacht bei Altenesch, dem Sieg des Erzbischofs von Bremen über die freien Bauern Stedingens, zur dreischiffigen gotischen Hallenkirche aus Wesersandstein erweitert.
Der Turm mit seinem Portal aus der Zeit um 1160 stammt noch von der alten Kirche. Er beherbergt 3Glocken.
Gewölbe, Fenster hoher Chor und Außenwände wurden im Laufe der Jahrhunderte mehrfach verändert. Als Baumaterial dienten nun leichter zu beschaffende Klinker. Um 1450 war die Kirche in ihrer heutigen Gestalt vollendet. Nach einer umfassenden Restaurierung im Jahre 1577, von der ein Gedenkstein an der Nordwand zeugt, wurde die Kirche zuletzt in den 1980er Jahren von Grund auf gesichert und unter Hervorholung alter Ausmalungen nach historischen Vorbildern restauriert.
Vor 1160 befand sich eine hölzerne Kirche mit einem Friedhof am gleichen Ort.
Zwischen 1160 und 1234 errichten Neusiedler zusammen mit den wenigen altansässigen Wurtenbewohnern eine Kirche mit Turm aus Wesersandstein, nachdem sie durch Eindeichung von Hunte und Weser zu Wohlstand gekommen waren. Dic Nordwand sowie der Turm dieser "Stedingerkirche" bilden Nordwand und Turm der jetzigen Kirche und künden bis heute von der Stärke und dem Selbstbewußtscin der alten Stedinger.
Nach 1234 bis ca. 1250 schleift Erzbischof Gerhard II. von Bremen, der die aufständischen Stedinger am 27.Mai 1234 in der Schlacht bei Altenesch vernichtend geschlagen hatte, deren Hauptkirche in Berne bis auf Nordwand und Turm. Zum Zeichen seiner nun uneingeschränkten Herrschaft über Land und Leute läßt er "seine" Kirche errichten, die mehr als doppelt so groß ist wie die Stedingerkirche. Auch erhält der alte Stedingerturm nun seine hohe Spitze.
Als Baumaterial wurden Ziegel im Klosterformat verwendet, welche die Huder Zisterziensermönche herstellten, sowie die Sandsteine der eingerissenen Stedingerkirche. Daher der sehr reizvolle Schichtenwechsel von Ziegeln und Sandsteinen an der West- und Südwand. Gerhard II stammte aus Lippstadt bei Paderborn. Dort waren kurz vorher Kirchen in einem neuen Stil errichtet worden, dem "Style Plantagenet", der aus Westfrankreich stammt. In diesem besonderen Stil ließ Gerhard seine Siegeskirche in Berne erbauen, wie auch die Liebfrauenkirche in Bremen.
Um 1450 wird der Chor (Altarraum) der Kirche zur jetzigen Gestalt vergrößert.
1525 und 1625 "Abwehen" der Turmspitze durch schwere Stürme
1577 Wiederautbau der inzwischen halb verfallenen Kirche nach Einführung der Evangelischen Kirchenordnung in Oldenburg im Jahre 1573.
1968 bis 1988 Grundsanierung und völlige Renovierung der Kirche und des Turmes, Einbau neuer Chorfenster des Glasmalers Wilhelm Buschulte.
Text: Jörg Richter, aus einem Info-Faltblatt
